Oma

Mein persönlicher Abschied

J eder Bestatter macht irgendwann die Erfahrung wie es ist jemand sehr nahestehenden oder sogar ein Familienmitglied beerdigen zu müssen. Man wird in die Rolle der Kunden versetzt und muss jetzt Entscheidungen treffen. Die Möglichkeiten sind vielfältig und das Wissen um die Möglichkeiten kann so leicht überfordern…

 

Oma

Wenn ich an meine Oma denke, dann sitzt sie auf Ihrem, mit geblümten Stoff bezogenen, Sofa. Der Blick geht nach draußen auf unseren Bauerngarten des Mehrgenerationenhauses in der ländlichen Idylle. Wie man so schön sagt, sagen sich Hase und Igel hier gute Nacht. Wir als Kinder durften den Garten, den Wald, die Pferde- und Viehweiden als Spielplatz erleben. Wenn unsere Eltern außer Haus waren, waren die Großeltern immer da.

 

Handarbeiten

Meine Oma hat viele Handarbeiten angefertigt. Gestickte Bilder, vom Blumenmotiv bis zur Jagdszene mit Falkner, war alles dabei was möglichst bunt ausgestaltet werden konnte. Sie hat gestopft, gehäkelt, gestickt und genäht. Die Schubladen ihres Eichenholzschränkchens waren voll mit hunderten Knöpfen, Garnrollen in allen Farben, Fingerhüten, Nadeln, Gummibändern und allem was man nochmal gebrauchen könnte.

 

Häkeldeckchen

Es gab eine Zeit in der hat sie vor allem kleine Untersetzer aus beigem Garn gehäkelt. Meist ergaben die Muster Blumen oder Sterne oder sternförmige Blumen. Organisch und gleichzeitig regelmäßig akkurat konstruiert. Es hat sie beruhigt wenn ihre Hände etwas zu tun hatten und jede Kommode sah gleich ordentlicher aus, wenn zwischen Vase und polierter Holzoberfläche ein Häkeldeckchen seinen Platz gefunden hat. Sie hat die Deckchen auch gerne verschenkt und so finden sich heute sicher noch in einigen Haushalten der Region ihre Handarbeiten.

 

Mandala-Malbücher

Später ließen die Augen trotz Brille nach und der Beginn einer demenzielle Erkrankung machte sie zu unausgeglichen um den Handarbeiten nachzugehen. In den Garten gehen machten die Beine nur mit guter Tagesform mit und im Fernsehen läuft immer das gleiche… Die rettende Idee gegen die Langeweile kam in Form von Malbüchern daher. Großflächige Motive, meist symmetrisch so wie die Deckchen, haben sie sofort begeistert. Und so wuchs ihre Sammlung an Mandela-Malbüchern und Buntstiften. In einem Künstlerhaushalt darf der große Farbkasten von Farber-Castell nicht fehlen, welcher ab jetzt bei ihr auf dem Sofa seinen Platz fand.

 

Geschenke für die letzte Reise

Ab diesem Zeitpunkt verschenkte sie die bunt ausgemalten Mandala-Motive. Ein altes Billy-Regal aus dem Kinderzimmer beherbergte die gefüllten Malbücher und zu jeder Gelegenheit bekam sie neue Motive geschenkt. Stunde um Stunde malte Sie Motiv für Motiv mit all ihrer Energie. Als sie verstorben war, habe ich überlegt was wir ihr schenken können für ihre letze Reise. Was sie mitnehmen kann und was ihr gefallen hätte.

 

Sargpolster

Jetzt wird es wieder etwas technischer, aber als Bestatterin sind mir wie schon geschrieben die Möglichkeiten bewusst und die heißt es dann auch zu nutzen. Ein Sarg benötigt organische Füllmaterial, welche Feuchtigkeit aufsaugen kann sowie der/dem Verstorbenen eine gepolsterte Unterlage schafft. Sargmatratzen sind daher z. B. mit Cellulose, Viskose oder Sägespänen gefüllt. Omas Mandalas wurden daher von mir zuerst in den Papierschredder gegeben. Ich bin nicht drum rum gekommen mir jedes ihrer ausgemalten Motive anzuschauen bevor es weiterverarbeitet wurde. Sie sollte auf viele kleine Papierregenbögen gebettet werden.

 

Trauerdruck

Ihre Häckeldeckchen habe ich ebenfalls aus den Schränken gesucht. Ein sternförmiges Deckchen habe ich eingescannt und als Motiv für die Traueranzeige ausgewählt. In der Danksagung war eine kleine Häkelblume an diese Stelle getreten. Die passenden Sprüche verbanden Motive und Botschaft…

 

Urne

Das sie Feuerbestattet werden wollten hatten meine Großeltern bereits vor 15 Jahren entschieden und Oma sollte nun ihren Platz neben Opa finden. Da meine Oma immer klein und stabil war, habe ich eine passende Keramikurne ausgewählt. Kompakt, hell und zeitlos war deren Form. Sie hätte sich über jede Blume gefreut, welche wir ihr auf die Urne gemalt hätten, da bin ich ganz sicher. Aber auch ich musste meine Hände beschäftigen und entschied mich ihr ein Kleid für Ihr letztes Haus zu nähen. Wie ein Mosaik habe ich die Blumen und Sterne auf der Urne aneinander gesetzt. Mit farblich passendem Garn dann die Verbindung geschaffen.

 

Dekoration der Trauerfeier

Für die Trauerfeier wollte ich eine schlichte aber emotionale Dekoration gestalten. Es sollte keine üblichen Kränze oder Schalen geben, denn das Grab war vollständig bepflanzt. Daher habe ich mich entschieden nur Blütenblätter um die Urne zu geben und diese auf dem Boden zu einem Kreis auszustreuen. Kerzen durften nicht fehlen und daher haben Teelichter ihren Platz zwischen den Rosenblättern gefunden. Oma war noch einmal in unserer Mitte und ich bin froh das wir ihr diesen persönlichen Abschied gestaltet haben.

 

trauerkapelle aufbahrung der urne

Omas persönlich gestaltete Urne in der Trauerkapelle

sonne blume häckelmuster keramikurne

Handarbeit: Omas Häckeldeckchen

beerdigung meiner oma malbuch

Mandalas geschreddert für den Sarg

sarg mit geschredderten bildern

Sargpolster aus Omas ausgemalten Mandala-Bildern

näharbeiten an der urnendekoration

Urnenkleid: Häckeldeckchen miteinander vernähen

immer dabei

Trostspender

dekoration urnenbeisetzung

Dekoration: Omas Urne in der Trauerkapelle

rosenblätter farbverlauf licht

Rosenblüten und Kerzen

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Mein persönlicher Abschied

J eder Bestatter macht irgendwann die Erfahrung wie es ist jemand sehr nahestehenden oder sogar ein Familienmitglied beerdigen zu müssen. Man wird in die Rolle der Kunden versetzt und muss jetzt Entscheidungen treffen. Die Möglichkeiten sind vielfältig und das Wissen um die Möglichkeiten kann so leicht überfordern…

Oma

Wenn ich an meine Oma denke, dann sitzt sie auf Ihrem, mit geblümten Stoff bezogenen, Sofa. Der Blick geht nach draußen auf unseren Bauerngarten des Mehrgenerationenhauses in der ländlichen Idylle. Wie man so schön sagt, sagen sich Hase und Igel hier gute Nacht. Wir als Kinder durften den Garten, den Wald, die Pferde- und Viehweiden als Spielplatz erleben. Wenn unsere Eltern außer Haus waren, waren die Großeltern immer da.

 

trauerkapelle aufbahrung der urne

Omas persönlich gestaltete Urne in der Trauerkapelle

Handarbeiten

Meine Oma hat viele Handarbeiten angefertigt. Gestickte Bilder, vom Blumenmotiv bis zur Jagdszene mit Falkner, war alles dabei was möglichst bunt ausgestaltet werden konnte. Sie hat gestopft, gehäkelt, gestickt und genäht. Die Schubladen ihres Eichenholzschränkchens waren voll mit hunderten Knöpfen, Garnrollen in allen Farben, Fingerhüten, Nadeln, Gummibändern und allem was man nochmal gebrauchen könnte.

Häkeldeckchen

Es gab eine Zeit in der hat sie vor allem kleine Untersetzer aus beigem Garn gehäkelt. Meist ergaben die Muster Blumen oder Sterne oder sternförmige Blumen. Organisch und gleichzeitig regelmäßig akkurat konstruiert. Es hat sie beruhigt wenn ihre Hände etwas zu tun hatten und jede Kommode sah gleich ordentlicher aus, wenn zwischen Vase und polierter Holzoberfläche ein Häkeldeckchen seinen Platz gefunden hat. Sie hat die Deckchen auch gerne verschenkt und so finden sich heute sicher noch in einigen Haushalten der Region ihre Handarbeiten.

 

sonne blume häckelmuster keramikurne

Handarbeit: Omas Häckeldeckchen

Mandala-Malbücher

Später ließen die Augen trotz Brille nach und der Beginn einer demenzielle Erkrankung machte sie zu unausgeglichen um den Handarbeiten nachzugehen. In den Garten gehen machten die Beine nur mit guter Tagesform mit und im Fernsehen läuft immer das gleiche… Die rettende Idee gegen die Langeweile kam in Form von Malbüchern daher. Großflächige Motive, meist symmetrisch so wie die Deckchen, haben sie sofort begeistert. Und so wuchs ihre Sammlung an Mandela-Malbüchern und Buntstiften. In einem Künstlerhaushalt darf der große Farbkasten von Farber-Castell nicht fehlen, welcher ab jetzt bei ihr auf dem Sofa seinen Platz fand.

Geschenke für die letzte Reise

Ab diesem Zeitpunkt verschenkte sie die bunt ausgemalten Mandala-Motive. Ein altes Billy-Regal aus dem Kinderzimmer beherbergte die gefüllten Malbücher und zu jeder Gelegenheit bekam sie neue Motive geschenkt. Stunde um Stunde malte Sie Motiv für Motiv mit all ihrer Energie. Als sie verstorben war, habe ich überlegt was wir ihr schenken können für ihre letze Reise. Was sie mitnehmen kann und was ihr gefallen hätte.

beerdigung meiner oma malbuch

Mandalas geschreddert für den Sarg

Sargpolster

Jetzt wird es wieder etwas technischer, aber als Bestatterin sind mir wie schon geschrieben die Möglichkeiten bewusst und die heißt es dann auch zu nutzen. Ein Sarg benötigt organische Füllmaterial, welche Feuchtigkeit aufsaugen kann sowie der/dem Verstorbenen eine gepolsterte Unterlage schafft. Sargmatratzen sind daher z. B. mit Cellulose, Viskose oder Sägespänen gefüllt. Omas Mandalas wurden daher von mir zuerst in den Papierschredder gegeben. Ich bin nicht drum rum gekommen mir jedes ihrer ausgemalten Motive anzuschauen bevor es weiterverarbeitet wurde. Sie sollte auf viele kleine Papierregenbögen gebettet werden.

 

sarg mit geschredderten bildern

Sargpolster aus Omas ausgemalten Mandala-Bildern

Trauerdruck

Ihre Häckeldeckchen habe ich ebenfalls aus den Schränken gesucht. Ein sternförmiges Deckchen habe ich eingescannt und als Motiv für die Traueranzeige ausgewählt. In der Danksagung war eine kleine Häkelblume an diese Stelle getreten. Die passenden Sprüche verbanden Motive und Botschaft…

Urne

Das sie Feuerbestattet werden wollten hatten meine Großeltern bereits vor 15 Jahren entschieden und Oma sollte nun ihren Platz neben Opa finden. Da meine Oma immer klein und stabil war, habe ich eine passende Keramikurne ausgewählt. Kompakt, hell und zeitlos war deren Form. Sie hätte sich über jede Blume gefreut, welche wir ihr auf die Urne gemalt hätten, da bin ich ganz sicher. Aber auch ich musste meine Hände beschäftigen und entschied mich ihr ein Kleid für Ihr letztes Haus zu nähen. Wie ein Mosaik habe ich die Blumen und Sterne auf der Urne aneinander gesetzt. Mit farblich passendem Garn dann die Verbindung geschaffen.

 

näharbeiten an der urnendekoration

Urnenkleid: Häckeldeckchen miteinander vernähen

immer dabei

Trostspender

Dekoration der Trauerfeier

Für die Trauerfeier wollte ich eine schlichte aber emotionale Dekoration gestalten. Es sollte keine üblichen Kränze oder Schalen geben, denn das Grab war vollständig bepflanzt. Daher habe ich mich entschieden nur Blütenblätter um die Urne zu geben und diese auf dem Boden zu einem Kreis auszustreuen. Kerzen durften nicht fehlen und daher haben Teelichter ihren Platz zwischen den Rosenblättern gefunden. Oma war noch einmal in unserer Mitte und ich bin froh das wir ihr diesen persönlichen Abschied gestaltet haben.

 

dekoration urnenbeisetzung

Dekoration: Omas Urne in der Trauerkapelle

rosenblätter farbverlauf licht

Rosenblüten und Kerzen

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